30. Mai 2026

Kurzmeldungen zum Wochenende

Bild zu den Kurzmeldungen vom Samstag, 30. Mai 2026
Große Geothermie-Pläne für La Palma

Auf La Palma wurde jetzt erneut groß über Geothermie gesprochen — also über die mögliche Nutzung der Hitze tief unter der Erde zur Energiegewinnung. Politiker, Wissenschaftler und Unternehmen trafen sich dazu in Santa Cruz de La Palma bei einer zweitägigen Fachveranstaltung. Die Grundidee klingt für die Insel tatsächlich interessant: Strom aus dem vulkanischen Untergrund könnte langfristig helfen, weniger abhängig von importiertem Diesel und teurer Energie zu werden. Besonders nach dem Tajogaite-Ausbruch sehen viele in der Geothermie eine große Chance für die Zukunft der Insel. Konkret geht es allerdings bisher vor allem um Studien, Genehmigungen, Modelle, Finanzierungsmöglichkeiten und mögliche Probebohrungen. Politiker sprechen zwar bereits von wirtschaftlichem Aufschwung, neuen Arbeitsplätzen und einem „historischen Potenzial“ für La Palma — doch bis daraus tatsächlich Strom aus dem Inselinneren fließt, dürften noch viele Jahre vergehen. Die Inselregierung verweist dabei gerne auf Regionen wie Island oder die Azoren, wo Geothermie längst genutzt wird. Ob und wann dies auf La Palma Realität wird, ist derzeit aber noch völlig offen. Viele Inselbewohner dürften deshalb an andere große Zukunftsprojekte erinnert werden, die einst ebenfalls mit viel Euphorie angekündigt wurden — und später irgendwo zwischen Studien, Genehmigungen und politischen Reden steckenblieben. Die einst groß angekündigten heißen Quellen von Fuencaliente gelten inzwischen fast schon als Sinnbild dafür: Jahrzehnte geplant, nie umgesetzt — und mittlerweile weitgehend abgekühlt. (Foto aus www.tajogaiteconference.com)

Zwischen Realität und TV-Drama

Die am Pfingstsonntag im ZDF ausgestrahlte Dokumentation „La Palma – Protokoll einer Vulkaneruption“ hinterlässt bei vielen Zuschauern auf der Insel einen zwiespältigen Eindruck. Zweifelsohne zeigte die Produktion eindrucksvolle Bilder der Vulkanlandschaften und erinnerte an dramatische Tage während des Tajogaite-Ausbruchs. Doch genau darin liegt auch die Kritik: Wieder einmal wurde La Palma fast ausschließlich über Katastrophe, Angst und drohende neue Eruptionen definiert. Besonders enttäuscht äußerten sich Menschen, die direkt an den Dreharbeiten beteiligt waren. Nach Aussagen aus einem lokalen Blog sei ursprünglich vereinbart worden, dass die Dokumentation sachlich, ausgewogen und mit einem Blick nach vorne gestaltet werde. Gedreht worden sei offenbar deutlich umfangreicheres Material – auch über Wiederaufbau, Hoffnung und den Alltag nach der Katastrophe. Im fertigen Film blieb davon jedoch nur wenig übrig. Stattdessen endet die Produktion erneut mit dem inzwischen bekannten düsteren Unterton: Der nächste Vulkanausbruch sei lediglich eine Frage der Zeit. Ein Satz, der zwar geologisch nicht falsch ist – schließlich handelt es sich um eine Vulkaninsel –, der aber international genau jenes Bild verstärkt, unter dem La Palma seit Jahren leidet: eine Insel im dauerhaften Ausnahmezustand. Dabei wird leicht vergessen, dass die meisten Besucher gerade wegen der Ruhe, der Natur und der besonderen Atmosphäre nach La Palma kommen – und nicht wegen Katastrophentourismus. Viele Einheimische empfinden solche Produktionen zunehmend als problematisch, weil sie das Leben auf der Insel auf Lava, Asche und Unsicherheit reduzieren. Völlig ausgeblendet wurde in der Dokumentation offenbar auch ein anderer Aspekt der Ereignisse von 2021: die massive Überforderung von Politik und Behörden vor und während der Eruption. Kritiker erinnern bis heute daran, dass es trotz der offensichtlichen Gefahr weder klare Evakuierungspläne noch vorbereitete Notfallmaßnahmen gegeben habe. Auch die Protokolle wichtiger Krisensitzungen wurden bis heute nicht veröffentlicht – obwohl Bürgerinitiativen dies seit Jahren fordern und teilweise juristisch darum kämpfen. Gerade dieser Teil der Geschichte wäre journalistisch interessant gewesen: nicht nur spektakuläre Lavaaufnahmen, sondern auch die Frage, wie gut oder schlecht die Insel damals tatsächlich vorbereitet war. Stattdessen bleibt am Ende erneut vor allem das bekannte Fernsehbild einer schönen Insel mit bedrohlichem Vulkan im Hintergrund zurück.

Das Auditorio und die Steckdosenfrage

Auf La Palma schreibt das Leben manchmal Geschichten, die selbst Satiriker kaum besser erfinden könnten. Wochenlang wurde die große Eröffnung des neuen Insel-Auditoriums in Los Llanos vorbereitet. Eintrittskarten waren bereits verkauft, Musikschüler engagiert, Ankündigungen veröffentlicht, Reden vermutlich schon geschrieben. Dann fiel 24 Stunden vor der feierlichen Einweihung auf: Das Gebäude hat gar keinen regulären Stromanschluss. Wie Cabildo-Präsident Sergio Rodríguez nun erklärte, konnte die geplante Eröffnung deshalb nicht stattfinden, weil das Rathaus von Los Llanos den notwendigen Mittelspannungsanschluss gar nicht beantragen durfte. Offenbar stellte Endesa erst kurz zuvor fest, dass die Gemeinde lediglich Niederspannung beantragen könne. Dass ein großes Auditorium irgendwann vielleicht etwas mehr Strom benötigt als eine Wohnzimmerlampe — das hatte zuvor offenbar niemand bedacht. Besonders rührend wirkt dabei der organisatorische Eifer der vergangenen Wochen: Während bereits die feierliche Eröffnung samt Kulturprogramm vorbereitet wurde, blieb die eher nebensächliche Frage unbeantwortet, woher eigentlich der Strom für das Gebäude kommen soll. Nun soll das Cabildo selbst den Anschluss beantragen. Wann das Auditorio tatsächlich eröffnet wird, bleibt offen. Optimisten hoffen allerdings, dass die für die Premiere engagierten Musikschüler bis dahin wenigstens noch keine Rentnerband geworden sind. Der Cabildo-Präsident verteidigte die kurzfristige Absage als „verantwortungsvolle Entscheidung“ im Sinne der Sicherheit. Die Opposition sprach dagegen von einem weiteren Beispiel mangelnder Planung.

Flughafenbus ohne Umweg

Eine neue Buslinie verbindet künftig Los Llanos direkt mit dem Flughafen und Santa Cruz – ohne den bisherigen Umweg über die Inselhauptstadt. Tatsächlich ist das für Frühflieger sicher praktischer als bisher, denn erstmals fährt morgens um 4.45 Uhr eine direkte Guagua Richtung Flughafen. Das Cabildo verkauft die neue Linie 301 gleich als großen Schritt für Lebensqualität, Mobilität und moderne Verkehrspolitik. Dabei dürfte sich der praktische Nutzen für viele Reisende trotzdem in Grenzen halten. Wer morgens zum Flughafen gebracht wird, kommt zwar einfacher hin – zurück wird es komplizierter. Denn die Rückfahrten nach Los Llanos gibt es erst abends um 20.40 Uhr beziehungsweise 22.40 Uhr. Wer also nur einen kurzen Flug oder Termin hat, verbringt unter Umständen viele Stunden wartend am Flughafen oder in Santa Cruz. Immerhin entfällt künftig der bisherige Umweg über die Hauptstadt, der die Fahrzeit unnötig verlängerte. Genau das war seit Jahren ein Kritikpunkt vieler Bewohner des Westens. Die neue Linie startet in den kommenden Tagen. Abfahrten ab Los Llanos Richtung Flughafen und Santa Cruz sind täglich um 4.45 Uhr und 10.35 Uhr vorgesehen. Die Rückfahrten starten ab Santa Cruz am Abend zu genannten Zeiten.